Was ist ein Vampir?


Ein Vampir ist im Volksglauben und in der Mythologie eine blutsaugende Nachtgestalt. Dabei handelt es sich meist um einen wiederbelebten menschlichen Leichnam, der sich von menschlichem oder tierischem Blut ernährt. (Quelle - Wikipedia)









Der dunkle Mythos von Blut, Sex und Tod

Vampire gibt es nicht – Oder?

Nein, Vampire gibt es nicht! In unserer aufgeklärten rationalen Gesellschaft ist kein Platz für solche Geschöpfe einer verborgenen Phantasie, oder? Keine andere Gestalt des Makabren, kein anderes Monster, kein anderes Schattenwesen hat die Aufmerksamkeit von Künstlern so sehr auf sich gezogen wie der Vampir. Kein anderer Schrecken aus dem Dunklen hat so viele alptraumhafte künstlerische Arbeiten inspiriert. Aber der Vampir ist keine Erfindung irgend welcher Künstler.

Er wurzelt tief in der Wirklichkeit, in Sage und Volksmärchen, die bis ins Altertum zurückreichen. Vampire sind allgegenwärtig. Sie erscheinen in der Geschichte von China und Deutschland, ebenso in Indien und Mexiko. Der Vampir ist die gelungenste Projektion unserer Urängste, ein Wesen mit gewaltigem philosophischem und psychologischem Tiefgang.

Der Vampir ist ein gewaltiger Mythos von Tod und Schuld, Sexualität und Macht. Wenn es ein kollektives Unbewusstes des Menschen gibt, das sich aus den Mythen aller Kulturen zusammensetzt, dann findet sich dort der Vampir als Archetypus der Angst vor dem Tod und der Sinnlosigkeit des Seins, auch im modernen Alltag. Der Tod ist eine zentrale Kategorie im Reich des Menschen und im Reich der Vampire. Zum einen ist die Angst vor dem Tod bis heute eine der schwierigsten Komplex-Erfahrungen der Menschheit. Sie versucht ihnen zu entfliehen, indem sie sich konkrete Figuren schuf, die es erlauben, Hilflosigkeit und Verzweiflung in bezwingbare Furcht zu verwandeln. Zum anderen ist es der Mythos von der Schuld, der uns ebenfalls immer begleiten wird: Die Schuld des Menschen, die darin besteht, dass er tötet um zu leben.

Am Anfang war das Blut

Blut ist das Bindeglied zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod. So war es in allen Mythen und in vielen Religionen. Blut ist immer Leben. Blut zu sich zu nehmen ist daher sehr stark mit einem Wiederbeleben assoziiert. Blut herzugeben ist dagegen mit Sühne verbunden. So ist es nur logisch, dass der Vampir Blut saugt als eine Art Transfusion. Zum einen gibt es ihm Kraft und Leben (wenn auch nicht sein eigenes), zum anderen ist es die Herausforderung Gottes.

Blut hat die Menschen zu allen Zeiten berauscht. Sie wollen das rituelle Opfer, das sie erlöst. Sie brauchen den Blutzoll als Symbol für die Gefahr des Vergehens und der Unmoral. Denn Moral funktioniert nur über den Begriff der Sünde. Das Gute ist ohne das Böse nicht denkbar.

Angst und Lust

Die Sexualität (das Fleisch) ist das Tierische im Menschen. Sie ist es, die die Menschen in den Kreislauf von Natur und Tod einreiht. Und dieser sexuelle Moment ist einer der Hauptgründe für die andauernde Faszination des Vampirs. Der beißende Kuss in die Kehle des Opfers, aus dem er das Blut saugt, besitzt eine erotische, sadistische Note, die der Aufmerksamkeit der Psychologen nicht entgangen ist. Die Botschaft aus dem Abgrund ist klar. Es herrscht eine dunkle Vitalität überall in der Welt. Es ist eine Kraft, die Leben sucht, Leben fordert, Leben aufsaugt und verzehrt. Wenn diese Kraft Frauen infiziert, werden sie lüstern, sinnlich, sexuell fordernd, zügellos und unwiderstehlich attraktiv. Das entbehrt nicht einer gewissen Gefährlichkeit für Männer, denn diese Frauen können Männer schwach und schlaff machen. Die Botschaft ist, dass sie beherrscht werden müssen. Obwohl es die weibliche Komponente ebenso gibt, ist das Vampir-Prinzip männlich.

Eine wesentliche Komponente der Vampirlegende: Es findet immer eine Verführung statt. Das Böse ist nicht in einem selbst, es kommt von außen und steckt einen an. Alle bösen, unreinen und unmoralischen Gedanken und Gefühle werden auf Alpträume und Fabelwesen projiziert und somit nach außen verlagert. Die Angst vor der Strafe für die eigene Schlechtigkeit wird dadurch zur Angst vor bösen Geistern. Aber diese Angst hat auch immer etwas seltsam Faszinierendes, denn man sehnt sich danach, den Zwängen zu entkommen, so wie die Jungfrau sehnsüchtig auf den Vampir wartet. Er infiziert sie mit dem Bösen durch seinen Biss. Der Vampirismus ist ansteckend. Der Mythos wird sich wandeln. Die zunehmende Athesierung der Welt wird auch den Vampir verändern. Denn der Vampir ist und bleibt ein theologisches Wesen. Aber solange wir in den Strukturen unserer moralischen Weltordnung leben bleibt die Angst vorhanden. Und wenn die Angst kommt, kommen die Gespenster. Angst vor moralischem Verfall, vor Chaos und Katastrophen wird den Vampir immer wieder neu entstehen lassen, in seiner ganzen dämonischen Kraft und Faszination.

Aber: Vampire gibt es doch gar nicht – oder?